5 Fragen an: Vaataja (ex-Nautilus)

Nautilus kannte man bisher als Band aus Langen (Frankfurt), die auch überregional regelmäßig mit schön bösem Hardcore die Bühnen unsicher machte. Einen Hang zu eher düsteren Klängen gab es damals schon. Nun nennt die Band sich um und kündigt einen Stilwechsel an. Was ist von Vaataja in Zukunft zu erwarten?


Ihr benennt euch in „Vaataja“ um, gleichzeitig erfolgt auch ein gewisser Stilwechsel. Wie kam es dazu und spielt ihr trotzdem weiterhin in eurer bisherigen Bandkonstellation?

 

Oskar (Shouter): Genau, die Besetzung bleibt dieselbe. Von der „Rest in Peperoni“-EP (2018) hin zu den beiden Singles „Downburst“ (2019) und „Blink“ (2020) hatten wir bereits den Sänger gewechselt. Unser ehemaliger Sänger Tillman verlies die Band und ich wechselte von der Rhythmus-Gitarre ans Mike. Die Besetzung ist dann für Vaataja geblieben. Dadurch, dass wir durch Corona nicht mehr wie vorher jedes zweite oder dritte Wochenende irgendwo in Deutschland eine Show spielen konnten, hatten wir auf einmal Zeit, darüber nachzudenken, ob das überhaupt die Musik ist, die wir machen wollen. Die Songs, die wir gespielt haben, waren teilweise schon Jahre alt. Die zwei angesprochenen Singles bahnten dann schon unsere neue Richtung an. Und was macht man, wenn man keine Gigs mehr spielen kann? Wir setzten uns ans Songwriting. Einfach schreiben für ein neues Album oder eine neue EP. Während dieser Corona-Jahre hatten wir endlich mal richtig Zeit, uns zu reflektieren. Dabei haben wir gemerkt: Keiner von uns hört eigentlich noch aktiv Hardcore. Ich kann jetzt nicht für meine Bandkollegen sprechen, aber ich feier inzwischen komplett diesen neueren Post Black Metal mit Bands wie Oathbreaker oder Batushka. Eigentlich feiern wir die alle und die haben auch einen großen Einfluss auf uns. Deswegen geht unsere Mucke auch mehr weg vom Hardcore. Es gibt zwar hier und da immer noch Parallelen, aber es geht mehr in die Metal-Richtung. Breakdowns findest du bei uns keine mehr. Und auch, wenn du dir zum Beispiel den Live-Auftritt von Behemoth reinziehst: Wie die da ankommen mit ihren Papst-Hüten und dem ganzen kultigen Scheiss und dem Bühnenbild, was einfach so fucking satanisch und evil aussieht… Das ist von vorne bis hinten wie im Theater. Natürlich werden wir das jetzt nicht genau so alles machen, dafür haben wir auch gar nicht das Budget haha, aber wir haben schon versucht, uns an sowas zu orientieren – auch musikalisch.

 

Ich finde man hört auf jeden Fall noch eure Hardcore-Einflüsse. Aber insgesamt hat sich diese Entwicklung ja schon auch angekündigt, oder? Auf der EP „Rest in Peperoni“ von 2018 war das alles noch gespickt mit Faxen wie zum Beispiel im Outro von „Backseat Smoker“ oder generell dem Namen der EP. Doch schon der Closer „R.I.P.“ hatte etwas Ernsteres in Richtung Metal/Industrial.

 

Haha ja wir hatten da viel Scheisse im Kopf. Aber ja, der R.I.P.-Song war so ein bisschen der Schlag in die Vergangenheit, aber auch dass wir in Zukunft ein bisschen durchdachtere Songs angehen wollten. Als wir 2013 angefangen haben, waren wir sogar noch eine Melodic Hardcore-Band. Da hatten wir eine selftitled-EP rausgebracht, aber kann gut sein, dass wir das auch schon wieder gelöscht haben. Vielleicht ist das noch irgendwo in den Tiefen des Internets… Die „Echos“-EP von 2015 ist zumindest noch auf YouTube.

 

Du hast es schon angesprochen: 2019 und 2020 folgten dann nochmal zwei sehr stabile Hardcore-Nummern – auch im eher atmosphärischen, ernsteren Stil. Ich weiß nicht, ob man das härter nennen kann – das ist ja auch immer etwas Subjektives. Breakdowns sind auf eine andere Art hart als düsteres, atmosphärisches Geballer.

 

Ja, oder so ein straighter Break. Das feiern wir inzwischen auch mehr als Breakdowns. Auch weil die Band Power Trip ein großer Influence von uns geworden ist. Als wir Anfang 2020 unsere letzten Konzerte gespielt haben, haben wir die ganze Zeit dieses Power Trip-Album „Nightmare Logic“ hoch- und runter gehört. Das ist mega geil. Und obwohl die von der Hardcore-Szene hart gefeiert werden, ist es straighter Bay Area Thrash Metal mit so ein paar Death-Einflüssen. Man könnte echt meinen, die Band kommt aus den 90ern, dabei haben die irgendwann 2015/2016 angefangen. Theoretisch besteht Hardcore ja auch nur aus Thrash Metal-Riffs mit ein paar bpm weniger. Du kannst irgendein Trash-Riff nehmen, machst es langsamer und es klingt nach einem Hardcore-Song.

 

 

In eurem neuen Song „Nooses“, der demnächst erscheint, schlagt ihr jetzt nochmal ganz neue Seiten auf. Trotz der eher kurzen Spiellänge von 2:35 min wirkt er neben dem Atmosphärischen auch sehr durchdacht mit einer Struktur von drei verschiedenen Vocals: erst normalen Shouts, dann tiefen Death Growls und am Ende dann weiblichen Clean-Gesang. Das klingt vielversprechend und auch reifer als zum Beispiel die RIP-EP von damals. War der Clean-Gesang ein Feature? Und worum geht es in dem Song inhaltlich?

 

Danke, ja das Fry Screaming und die Death Growls hab ich gemacht und die Clean Vocals sind ein Feature von Lea Schuhmacher, einer Freundin von unserem Drummer. Wir wollten einfach auch mal einen anderen Akzent setzen als immer nur zu brüllen. Auch wenn das mit Clean-Gesang beim kommenden Album eher weniger vorkommen wird. Und zu dem Inhalt: Zu der Zeit, wo der Song entstanden ist, war die Black Lives Matter-Bewegung sehr aktiv. In dem Song geht es um den Mord an George Floyd. Man kann es aber auch als das Aufbegehren einer generell unterdrückten Gesellschaft interpretieren. 

 

Wie sehen nun eure Pläne für die Zukunft aus? Ihr wirkt auf mich recht ambitioniert, so als hättet ihr auf jeden Fall Bock, wieder regelmäßig Shows zu spielen wie vor der Pandemie.

 

Ja, wir haben gemerkt, dass wir irgendwie stehengeblieben sind in unseren acht Jahren Bandgeschichte. Wir haben zwar zwei kleine Touren gespielt in Deutschland und Umgebung und für uns alles erreicht, was man so als Teenager erreichen wollte, als man die Band gegründet hat. Da ging es einfach darum Konzerte zu spielen und irgendwo betrunken zu sein. Die Zeiten waren anders und auch leichter, manchmal sehnt man sich da natürlich hin zurück. Aber wir haben auch gemerkt, dass wir einfach nochmal ein bisschen mehr erreichen wollen und dafür auch bereit sind, mehr Arbeit reinzustecken. Abgesehen von „Blink“ und „Downburst“ werden wir in Zukunft auch tatsächlich ein komplett neues Set spielen. Der neue Song „Nooses“ kommt jetzt am 24.3. um 18 Uhr mit einem Live-Release des Musikvideos auf YouTube raus. Eine Woche später gibt es den dann auch auf Spotify. Ab da an kommen alle zwei Monate neue Songs, an deren Ende gegen September die EP stehen wird. Zu den Songs gibt es jeweils auch immer ein Video dazu und parallel läuft das Songwriting für das Album, das etwa Ende des Jahres kommen soll. Drei bis vier Songs davon stehen auch schon mehr oder weniger.


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